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Was genau ist Höömii?:

Das Höömij ist eine imitative Vokaltechnik und eine besondere Oberton-Gesangskunst, die von beliebigen Musikinstrumenten begleitet werden kann. Die Besonderheit besteht darin, daß der Sänger bei einigen Höömij-Arten gleichzeitig zwei Töne hervorbringt. Einer dieser Töne ist ein einziger langgedehnter summender Grundton, über welchem sich die Melodie zu großen Höhen erhebt.

Der Ton des Gesanges wird durch gezieltes Ausströmen der Atemluft hervorgerufen. Geformt wird der Ton durch die veränderte Position der Zunge, des Gaumensegels, des Kehldeckels und Verformung der Mundhöhle. Bei einigen Arten wird der Ton noch zusätzlich durch die Kontraktion und Ausdehnung der Hals- und Bauchmuskeln geformt, und so in seiner Klarheit verbessert. Diese Atemtechnik des Obertongesanges beansprucht stark die Stimmbänder, den Kehlkopf und das Zwerchfell. Ein guter Höömij-Sänger singt Höömij-Gesänge, ohne die Lippen zu bewegen!

Es gibt drei Arten des Höömij-Gesangs:

1. Isgeree-Höömij (pfeifartiges Höömij)

Diese Art des Höömij-Gesangs wird nach der Art der Technik in vier Gruppen unterteilt:

Chooloin-Höömij (Rachen-Höömij)
Beim Rachen-Höömij wird die geatmete Luft aus dem Bauch unter hohem Druck ausgeströmt. Der Ton wird mit Hilfe der Zunge und des Gaumens geformt. Hier spielt die Kontraktion und Ausdehnung des Kehlkopfs eine große Rolle.

Zeedshnij-Höömij (Brustkorb-öömij)
Der Atem wird in der Brust angehalten. Nachdem die Zunge im hinteren Bereich des Gaumens nach oben gebogen ist, strömt die Luft unter hohem Druck durch Mund und Nase aus.

Gedesnij davchar zochilttoi-Höömij
(Höömij mit gleichzeitigem Mitwirken des Bauchmuskels zur Tonformung) Diese Art hat im Vergleich zu den anderen Art eine einfachere Technik. Der laminare Luftstrom aus dem Bauch wird durch plötzliches Dehnen und Zusammenpressen des Bauchmuskels geändert, wodurch der Ton melodisch geformt wird. Diese Art des Höömij-Gesangs beherrschen die Tuwiner außergewöhnlich gut.

Chamrijn-Höömij (Nasen-Höömij)
Die Technik ist dem Brustkorb-Höömij ähnlich. Der Ton kommt aber nur durch die Nase.

2. Charchiraa-Höömij (brummendes und krächzendes Höömij)

Das Charchiraa-Höömij ist die ursprüngliche Art des Höömij-Gesangs. Diese Art unterscheidet sich von den anderen durch ihre eigenartige Technik und grandiose und pathetische Melodie. Mit Charchiraa-Höömij kann man Epengesänge und Lobeshymnen singen und sogar die Laute verschiedener Tiere nachahmen. Charchiraa-Höömij wird unterteilt in:

Davchar zochilttoi Charchiraa (gleichzeitiges Mitwirken des Bauch- und Kehlkopfmuskels bei der Formung des Tons) Die Besonderheit dieser Art liegt daran, daß beim Ausströmen der Luft die Bauch- und Halsmuskel gleichermaßen dazu beitragen, den Gesang zu verzieren wie die Zunge und Mundhöhle. Diese erfolgt durch freies Ausströmen der Luft, nicht mit so hohem Druck wie bei den anderen Arten.

Dan zochittoi-Charchiraa (nur Kontraktion und Ausdehnung des Kehlkopfs) Diese Technik ist geeignet für Lobeshymnen und Epengesänge. Die Luft wird unter sehr hohem Druck aus dem Bauch durch den eng zusammengepreßten Hals zum Gaumen ausgeströmt.

3. Schachaa-Höömij (komprimierendes Höömij)

Das Schachaa-Höömij ist eine selbständige Art des Höömij-Gesangs. Der Ton wird durch vibrierende Bewegungen der Halsmuskulatur und zusätzlich durch die Mundhöhle geformt, wobei die Zunge und der Gaumen eine große Rolle spielen. Diese Technik ist gut geeignet, Lieder mit schnellen Rhythmus zu singen.